24. Dezember am frü‍hen Morgen
Die Weihnachtsgeschichte aus der Praxis
Nicht rausstellen

Die Pferde im Stall erhal­ten ihre Morgenfütterung. Zwei Stunden spä­ter wer­den alle nach drau­ßen auf die Winterweiden gebracht. Nur Minka, die leicht über­ge­wich­ti­ge Haflingerstute hat­te die­sen Zettel an der Box. Nun ja, den­ke ich, viel­leicht wird sie am Vormittag bewegt, weil die Besitzerin Nachmittags ja die Bescherung für die Kinder macht. 

Dann kommt Minka eben etwas spä­ter raus…

Weit gefehlt. Am Vormittag läuft also Minka in der Box im Kreis und ruft sehn­süch­tig den Kollegen hin­ter­her, die sich bei 5 Grad Plus und Regen von der Seite in Sichtweite von Minka drau­ßen befin­den.

Je nach Temperament und Appetit wird sich aus­gie­big in der Matsche gewälzt, oder man trifft sich an der über­dach­ten Raufe zur Heu/Stroh müm­meln.

Ich ver­schlie­ße die Außenklappe und gebe Minka etwas Heu.

Ein Elchgeweih scha‍det nicht
Obstsalat

Mit Einbruch der Dämmerung erscheint die Familie von Minka.

Minka steht (am Abend vor­her blitz­blank geputzt) mit einer frisch gewa­sche­nen Stalldecke in der Box. Sauber – kein Matsch an den Ohren, kein nas­ses Fell – da macht doch die weih­nacht­li­che Streicheleinheit der Besitzerin und deren Anhang (alle im Festtagsoutfit) gleich viel mehr Spaß. Schwer bela­den sind sie mit Weihnachtsgeschenken.

Als da wären: ein Elchgeweih, wel­ches Minka sto­isch auf ihrem Kopf erträgt, ein­schließ­lich der dar­an hän­gen­den Handy-Fotosession, ein

Komplett-Set Halfter, Bandagen und Satteldecke in Bonbonfarbe mit Weihnachtsmotiv (gut dass Pferde wei­test­ge­hend far­ben­blind sind…) und ein frisch ange­mach­ter Obstsalat mit Weintrauben, Orangen, Kiwi, Bananen, Äpfeln und Granatäpfelkernen (ist ja schließ­lich Superfood).

Dazu wird im Stall ein extra gekauf­ter Weihnachtsmash noch mit Spekulatius auf­ge­pimpt – ist ja schließ­lich ein beson­de­rer Tag….

 

Natürlich wird das “Weihnachtsmenü” von Minka gefres­sen, genau­so wie die übli­che Portion Heu und der Inhalt des vor­be­rei­te­ten täg­li­chen Futtereimers für die Abendfütterung. Zum Abendessen ist die Familie wie­der im trau­ten Heim.

Ich kann noch eine ande­re Besitzerin davon über­zeu­gen, dass Pferde (anders als gerüch­te­wei­se jedes Jahr aufs Neue in die Welt gesetzt) um Mitternacht NICHT mit ihren Menschen spre­chen, und im Stall kehrt Ruhe ein.

Ein "Hochfest" für Tierärzte
krankes Pferd

Beim abend­li­chen Rundgang um 21 Uhr stel­le ich fest, dass Minka koli­kt. Ich rufe die Besitzerin an und sage ihr, dass das Pferd bis zum Eintreffen des Tierarztes geführt wer­den soll­te. Reaktion: Nein, sie sei nicht mehr fahr­tüch­tig, habe eine hal­be Flasche Rotwein intus, im Übrigen sol­le ich auf gar kei­nen

Fall den bis­he­ri­gen Haustierarzt anru­fen. Der gin­ge ihr mit sei­nen stän­di­gen Ermahnungen, dass Minka auf Diät müs­se, schon lan­ge auf den Nerv, es soll also ein ande­rer kom­men.

Gar nicht so leicht, einen Notfalltermin an Heiligabend zu bekom­men, wenn der ange­ru­fe­ne Tierarzt die Kundin nicht kennt…aber man hat ja so sei­ne Beziehungen…

Ich füh­re also Minka selbst rund 45 Minuten in der Halle (wäh­rend mei­ne Familie Weihnachten fei­ert), bis der gestress­te Tierarzt nach der vier­ten Kolik an Heiligabend erscheint.

Minka wird behan­delt, beim noch­ma­li­gen Kontrollgang gegen 1 Uhr geht es der Stute wie­der gut.

Fröhliche Weihnachten!

Pferde wis­sen nicht, dass Weihnachten ist!

Diesen und zahl­rei­che ähn­li­che Fälle habe ich lei­der oft erlebt. Falsch ver­stan­de­ne Tierliebe, der Hang, ein Pferd zu ver­mensch­li­chen und weih­nacht­li­che Sentimentalität kön­nen für Pferde sehr gefähr­lich wer­den. Davon abge­se­hen, dass die Konsequenzen oft der Stallbesitzer aus­ba­den muss.

Pferde wis­sen nicht, dass Weihnachten ist, genau­so wenig, dass sie Geburtstag haben, oder dass der drit­te Jahrestag bei “sei­nem Menschen” her­an­ge­bro­chen ist.

 

Sie haben kein Bedürfnis nach „beson­de­ren“ Menüs, son­dern Pferde haben nur den Anspruch auf art­ge­rech­te und bedarfs­ge­rech­te Fütterung.

Sie brau­chen spe­zi­ell in der Fütterung kei­ne Abwechslung.

Jedes „Extra“ bedeu­tet für den Magen-Darm-Trakt eine Umstellung. Diese ist im bes­ten Fall anstren­gend und damit unnö­tig, im schlech­tes­ten Fall wird ein Pferd davon krank.

Feiertage = Stehtage?
Pferd eingesperrt

Dazu kommt, dass vie­le Pferde auf­grund der Feiertage gar nicht oder deut­lich weni­ger bewegt wer­den, als sie es gewohnt sind.

Schließlich ist Zeit in Anbetracht von Weihnachtsbesuch, Weihnachtsessen vor­be­rei­ten, Christmette und Co ein knap­pes Gut…..Das gilt auch für die Reitbeteiligung, und außer­dem kann das Pferd ja über die Feiertage auch ein­mal “Ruhe haben”.

Es kom­men also vie­le Faktoren zusam­men: Bewegungsmangel, nicht redu­zier­te (sprich der Arbeitsleistung des Pferdes nicht ange­pass­te), somit fal­sche Futterration und dazu noch unbe­kann­te Futterkomponenten, die das Pferd belas­ten.

Deshalb die dringende Bitte:

  • Bewegt eure Pferde auch an den Feiertagen!
  • Wenn das nicht oder nur ein­ge­schränkt geht, ver­zich­tet auf Kraftfutter und füt­tert nur Heu!
  • Lasst (unge­wohn­tes) Extrafutter kon­se­quent weg!
  • Teilt die­sen Beitrag flei­ßig!
Die Pferde wer­den es euch dan­ken!
(Stallbesitzer und Tierärzte ganz sicher auch...)
Geschenk

Wenn es schon unbe­dingt Weihnachtsgeschenke für‘s Pferd sein sol­len, dann schenkt Ausrüstungsgegenstände (die scha­den nicht) oder schenkt eurem Pferd eine sau­ber berech­ne­te Ration – indi­vi­du­ell für euer Pferd, mit den Futtermitteln, die ihr ger­ne füt­tern möch­tet und auf den Bedarf des Pferdes abge­stimmt.

 

Die hilft lang­fris­tig gegen füt­te­rungs­be­ding­te Erkrankungen und führt zu einem gesun­den, zufrie­de­nen und leis­tungs­be­rei­ten Pferd.

>> Errechne  jetzt die indi­vi­du­el­le Ration für dein  Pferd

In die­sem Sinne – fro­he Weihnachten!

Frohe Weihnachten

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