Rationsgestaltung dicke Pferde
6 Monate rund um die Uhr Weide, wegen Hitze, Bremsen, Verletzung, Zeitmangel etc. eher gar nicht gearbeitet, aber rund um die Uhr gefressen – schon ist das Pferd richtig fett. Das passiert bei bestimmten Pferden auch bei deutlich weniger Weidegang.
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Warum werden Pferde dick?
Grundsätzlich werden Pferde dann übergewichtig, wenn die Energiebilanz über längere Zeit nicht stimmt, sprich: Das Pferd bekommt mehr Energie gefüttert, als es (ver)braucht. Liegt also die tägliche Energiezufuhr langfristig deutlich über dem Soll-Bedarf, nimmt das Pferd zu. Und das geht über den Sommer recht gut…
Wie kann ein dickes Pferd abnehmen?
Damit ein übergewichtiges Pferd abnimmt muss die Energiebilanz wieder ins Lot gebracht werden – entweder durch energieärmere Fütterung oder durch Steigerung der Leistung.
Am besten jedoch durch eine Kombination beider Maßnahmen. Dabei ist es wirklich die „hohe Schule“ der Rationsgestaltung, wenn ein übergewichtiges Pferd zu füttern ist. Der Energiearmut der Ration sind nämlich durch die Ansprüche an artgerechte und bedarfsgerechte Fütterung Grenzen gesetzt.
Beispiel: IST- und SOLL-Wert eines dicken Pferdes
Unser Beispielpferd:
- Freiberger Stute im Erhaltungsbedarf
- 13 Jahre alt
- ohne Arbeitsleistung
- schwerer Rassetyp
- 8 h Paddockgang am Tag
- normales Temperament
- durchschnittliche Bemuskelung
- Gewicht aktuell 500 kg
- Appetitgrenze 11 kg Heu
Hier liegt die Schwierigkeit darin dass das Pferd NICHT arbeitet, also keinen zusätzlichen Energiebedarf hat.
Ist das Pferd normalgewichtig, benötigt es 47,37 MJ umsetzbare Energie am Tag.
Ist es übergewichtig, reduziert sich dieser Wert auf 43,77 MJ– also ca. 10%-Punkte weniger an Energie.
Dies entspricht dem Erhaltungsbedarf eines normalgewichtigen Pferdes von 450 kg Gewicht. Das wäre das angenommene Sollgewicht des Pferdes, es muss also ungefähr 50 kg abnehmen. Hört sich viel an, ist aber vergleichbar mit einem Menschen, der von 60 auf 54 kg abnehmen möchte – das geht, aber dauert Monate, wenn es denn ohne Radikaldiät laufen soll!
Noch stärker sinkt der Energiebedarf bei sehr überwichtigen Pferden – hier wird ein Abzug von ca. 20%-Punkten vorgenommen. Bei unserem Beispielpferd also 40,7 MJ ME, was dem Erhaltungsbedarf eines normalgewichtigen Pferdes von 400 kg entspricht.
Erst wenn sich also der IST-Wert an Energie in der Ration deutlich in Richtung des SOLL-Wertes bewegt, wird das Pferd langfristig abnehmen.
In der Praxis: Die optimale Ration um abzunehmen
Nun zur Praxis: Ein übergewichtiges Pferd im Erhaltungsbedarf benötigt nur Raufutter und Mineralfutter, eventuell noch einen Eiweißergänzer. Auf alle weiteren zucker- und stärkehaltigen Futtermittel sollte konsequent verzichtet werden. Also, kein Kraftfutter, kein Getreide, keine Möhre, keine Leckerchen….und auch keinen Weidegang.
Denn das Heu allein führt schon dazu, dass der Soll-Wert an Energie nur schwer zu erreichen ist. Warum das?
Durchschnittliches Heu der Ernte 2025 bringt bereits 6,14 MJ umsetzbare Energie je kg in die Ration ein. Das Energie-Eiweiß-Verhältnis liegt etwas über 1:6. Grundsätzlich sind Pferde jedoch recht tolerant, was ein Überangebot an Energie angeht – das 1,5 fache an Energie macht den meisten Pferden nichts aus. Nicht aber bei Pferden, die auf erhöhte Energiezufuhr mit Zunahme reagiert haben und nun abnehmen müssen.
Auch beim Abnehmen müssen dicke Pferde satt werden
Um satt zu werden, benötigt ein Pferd eine ausreichende Menge an Rohfaser. Diese wird von den Rezeptoren im Verdauungstrakt des Pferdes erfasst und löst das Sättigungsgefühl aus. Das nennt man auch Appetitgrenze. Auch die Anzahl an Kauschlägen spielt eine Rolle, ist aber der individuellen Appetitgrenze untergeordnet.
Unser Beispielpferd hat eine Appetitgrenze von 11 kg Heu pro Tag. Es braucht also soviel Rohfaser, wie in 11 kg Heu drin sind, um satt zu werden. Und NEIN, es braucht nicht 11 kg Heu!
Da wird es schon schwierig mit der Diät, die der Pferdehalter dem dicken Pferd jedoch leider aufzwingen muss. Eine Diät muss aber immer noch den Grundsätzen artgerechter Fütterung entsprechen. Und dazu gehört, dass das Pferd kein Hungergefühl wegen Unterschreitung der Appetitgrenze hat.
Angenommen, das übergewichtige Pferd bekommt nun – entsprechend seiner Appetitgrenze 11 kg Heu der Ernte 2025. Dann ist zwar der Rohfaserbedarf gedeckt, der Energiegehalt der Ration liegt mit 67,54 statt 43,77 MJ ME jedoch VIEL zu hoch. Außerdem enthält die Ration mehr als 1000 Gramm Zucker. Damit kann die Stute nicht abnehmen, sondern wird weiter zunehmen. Das Risiko von Erkrankungen steigt.
Senkt man nun die Heuration von 11 kg auf 6 kg, ist der Rohfaserbedarf nicht mehr gedeckt. Daraus resultiert Stress, aus Stress kann Verletzungsanfälligkeit erwachsen. So manches Pferd hat sich während des Abspeckens Beinverletzungen durch Treten vor die Boxenwand eingefangen…
Fügt man aber nun 2 kg Weizenstroh und 1 kg Knabberäste ohne Laub hinzu, sind Energie- und Rohfasergehalt der Ration ideal – also im grünen Bereich.
Theoretisch könnte das Pferd damit abnehmen, ABER durch die Reduktion des Heus ist der Eiweißgehalt der Ration zu gering. Ohne ausreichende Eiweißversorgung ist jede Diät zum Scheitern verurteilt. Also was tun?
Eiweiß ergänzen – es fehlen ungefähr 200 gr praecaecal verdauliches Eiweiß in der Ration.
Also: Heu nochmals um 1 kg reduzieren, dafür 0,5 kg Luzernecobs in die Ration hineinnehmen. Die können eingeweicht sehr gut mit den notwendigen 300 gr Sojaschrot und den 50 gr Mineralfutter vermischt werden.
Nun ist alles im grünen Bereich, die Ration enthält nur noch etwas mehr als 500 gr Zucker, entspricht somit der Empfehlung von nicht mehr als 100 gr Zucker je 100 kg Sollgewicht pro Tag.
So kann das Pferd gesund abnehmen.
Auch der Umstieg auf auf nährstoffarmes, überständiges Heu kann helfen, davon könnte etwas mehr gefüttert werden. zwar 1 kg mehr Heu gefüttert werden. Ohne Zugabe von Stroh oder Knabberästen reicht aber auch das nicht zur Deckung des Rohfaserbedarfes.
Wie soll ein übergewichtiges Pferd also abnehmen?
- Heuration reduzieren, 1/3 Stroh, 2/3 (möglichst zuckerarmes) Heu
- Knabberäste zufüttern. Diese sind gut gegen Langeweile und tragen ebenfalls zum Rohfaseranteil bei.
- Bei Eiweißmangel (recht häufig): Eiweißhaltige Futtermittel hinzufügen. Sehr gut als Cobs, darin kann vieles eingeweicht „versteckt“ werden inklusive Mineralfutter. Denn Kraftfutter bekommt ein übergewichtiges Pferd nicht.
- Mineralfutter passend zum Bedarf aussuchen
So bekommst du eine optimale Ration für dein Dickerchen.
Du bekommst keine „Grüne“ Ration hin, egal, was du probierst?Das kann passieren, wenn dein Pferd aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht arbeiten kann.
Ich helfe dir gerne weiter. Buche einfach kurzfristig einen Termin zur Beratung und gemeinsam erstellen wir die optimale Ration für dein Pferd.
Genug Bewegung um gesund abzunehmen
Der Königsweg zum Abnehmen, wenn das Pferd keine so großen gesundheitlichen Probleme hat (Trageerschöpfung, Rehe…), dass es gar nicht arbeiten kann.
Mehr Bewegung, mehr Arbeit! Wenn das Pferd nun ca. 45 min pro Tag in allen drei Gangarten arbeitet oder 80 min Schritt geht, benötigt es aus dieser geringfügigen Arbeit ca. 10 MJ ME mehr, insgesamt also 52,53 MJ. Das entspricht also ca. 1,5 kg Heu mehr pro Tag. Rohfaser-, Energie- und Eiweißbedarf sind optimal gedeckt. Alle weiteren Nährstoffe sind ebenfalls im grünen Bereich – und damit wird das Pferd gesund abnehmen.
Der Einsatz von Mineralfutter bei der Diät
Nun muss aber auch noch das Mineralfutter ins Pferd – gar nicht so einfach, wenn man auf weitere Futtermittel verzichten soll. Viele Pferde fressen das Mineralfutter nämlich nicht pur. Sind dann auch noch Medikamente dabei, kommt es oft zur Totalverweigerung. Dann hat man die Ration zwar energetisch so aufgestellt und die Arbeit so angepasst, dass das Pferd abnimmt, eine Unterversorgung mit Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen darf jedoch nicht sein.
Hier ist „Schummeln“ erlaubt: mit 100 gr Heucobs oder Luzernecobs (Trockengewicht) eingeweicht kann man alles untermischen, ohne dass die Ration kippt – schließlich werden nur 0,6 MJ Energie zusätzlich eingebracht. Weitere Bestandteile wie Apfelsaft, Malzbier, Rübenkraut, Honig, und was man sonst noch alles so an Tipps bekommt, wie die Akzeptanz zu erhöhen ist, sind aufgrund des Zuckergehaltes nicht geeignet. Ich habe bei einem meiner Pferdes alles oben Genannte probiert – keine Chance! Erst eine kleine Menge Spekulatiusgewürz führte zum Erfolg, und das auch noch ohne zusätzlichen Zucker😊
Außerdem ist es für die Pferdepsyche wichtig, dass es etwas in den Trog gibt, wenn die Stallkollegen auch Krippenfutter erhalten. Ist der Diätkandidat mit seiner kleinen Portion zu schnell fertig, kann man große runde Kieselsteine in den Trog legen. Bis dann alles heraus geleckt ist, sind die anderen wahrscheinlich auch fertig, und es herrscht Ruhe im Stall.
Rationsgestaltung bei dicken Pferden im Offenstall mit 24/7 Heufütterung
Pferde, die Heu ad libitum bekommen, fressen bis zur Appetitgrenze. Diese ist jedoch bei Pferden, die bereits langfristig Übergewicht angesammelt haben, häufig gestört. Diese Pferde fressen dann noch deutlich mehr – sind den ganzen Tag von der Raufe nicht weg zu bekommen. Wenn also die Rationierung des Heus technisch nicht machbar ist, dann muss das Pferd eben so viel arbeiten, dass die großen Heumengen nicht zu Übergewicht führen. Frisst der obige Kandidat also 18 kg Heu am Tag, einfach, weil er’s kann, dann muss er knapp zwei Stunden pro Tag arbeiten, davon 1 Stunde Schritt und weitere 50 min in allen drei Gangarten.
Achtung! Die Bewegung im Offenstall zählt nicht; denn die ist in den Erhaltungsbedarf bereits eingerechnet.
Wenn das nicht möglich ist, dann sei so konsequent und gestatte deinem Pferd keine 24 h Heu ad libitum mehr….
Gesund abnehmen, anstatt einer Radikaldiät
Denn bei aller Liebe zur artgerechten Pferdehaltung kann aber nicht nur Heu ad libitum als artgerecht gelten, ohne Rücksicht darauf, ob jedes Pferd das auch verträgt. Einem Pferd massives Übergewicht anzufüttern ist nicht nur nicht artgerecht, ab einer gewissen Grenze ist es tierschutzrelevant. Von kostspieligen Folgeerkrankungen, unter denen das Pferd dann leidet mal ganz abgesehen…
Jedoch Warnung vor Radikaldiäten! Es empfiehlt sich nicht, die Ration energetisch UNTER den von OPTI-RATION® berechneten Soll-Wert zu reduzieren. Das Pferd ist nicht von heute auf morgen dick geworden, und wird also auch nicht von heute auf morgen wieder dünn. Wer ein sehr übergewichtiges Pferd hat, sollte die Ration ohnehin mit dem Tierarzt besprechen.
Der Wert, den OPTI-RATION® als SOLL-Wert für ein übergewichtiges Pferd angibt, berücksichtigt bereits die Abzüge an Energie. Hier sollte die Ration in den grünen Bereich gebracht werden. Eine Unterversorgung von Energie wäre fatal, schließlich soll das Pferd auf Diät, nicht verhungern…
Kann man sonst noch etwas tun? Ja. Der Abbau von Fettreserven bzw. der Umbau von Fett in Muskelmasse bedeutet Schwerstarbeit für den Stoffwechsel. Leber und Niere können durchaus Unterstützung gebrauchen. Und zwar ausdrücklich nicht im Sinne einer „Entgiftung“ sondern im Sinne einer Stoffwechselanregung. Hier gibt es diverse Präparate am Markt – aber bitte darauf achten, dass dadurch nicht „auf Umwegen“ wieder unerwünschte Energie in die Ration gelangt.
8 Tipps für die Fütterung bei Übergewicht:
- Ernährungszustand des Pferdes bei der Beschreibung in OPTI-RATION® ehrlich angeben
- Pferd wiegen lassen oder vermessen und Gewicht mit unserem kostenlosen Tool berechnen lassen
- Nur Raufutter und Mineralfutter, evtl. Eiweißergänzer – mehr gehört nicht in eine Ration
- keine weiteren zucker- und stärkehaltigen Futtermittel
- Wenn möglich auf nährstoffarmes Heu ausweichen
- Mehr Bewegung! Mehr Arbeit! Ein nicht arbeitendes Pferd kann nur sehr schwer abnehmen
- Knabberäste anbieten
- ausreichende Versorgung mit Mineralfutter sicherstellen
- Stoffwechsel unterstützen
Rationsermittlung für jedes Pferd
Jedes Pferd ist anders. OPTI-RATION® schließt in seine Berechnungen deshalb unterschiedliche Umstände ein, die auf die Nährstoffzufuhr Einfluss haben.
Dazu zählen z. B. die Angaben zum Ernährungszustand oder Gesundheitszustand des Pferdes. In unserer Rationsberechnung wird das berücksichtigt. So können auch Pferde mit besonderen Ansprüchen mit der optimalen Ration versorgt werden.
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