Ach du dickes Pony! Rationsgestaltung bei dicken Pferden

Rationsgestaltung dickes pferd

Rationsgestaltung dicke Pferde

 

6 Monate rund um die Uhr Weide, wegen Hitze, Bremsen, Verletzung, Zeitmangel etc. eher gar nicht gear­bei­tet, aber rund um die Uhr gefres­sen – schon ist das Pferd rich­tig fett. Das pas­siert bei bestimm­ten Pferden auch bei deut­lich weni­ger Weidegang.

Wie viel wiegt mein Pferd? Ist mein Pferd zu dick? 

Nutze unser Online-Tool, um das Gewicht dei­nes Pferdes zu berech­nen. Ganz ohne Waage! >> Jetzt Pferdegewicht berechnen!

Warum werden Pferde dick?

Grundsätzlich wer­den Pferde dann über­ge­wich­tig, wenn die Energiebilanz über län­ge­re Zeit nicht stimmt, sprich: Das Pferd bekommt mehr Energie gefüt­tert, als es (ver)braucht. Liegt also die täg­li­che Energiezufuhr lang­fris­tig deut­lich über dem Soll-Bedarf, nimmt das Pferd zu. Und das geht über den Sommer recht gut…

Wie kann ein dickes Pferd abnehmen?

Damit ein über­ge­wich­ti­ges Pferd abnimmt muss die Energiebilanz wie­der ins Lot gebracht wer­den – ent­we­der durch ener­gie­är­me­re Fütterung oder durch Steigerung der Leistung.

Am bes­ten jedoch durch eine Kombination bei­der Maßnahmen. Dabei ist es wirk­lich die „hohe Schule“ der Rationsgestaltung, wenn ein über­ge­wich­ti­ges Pferd zu füt­tern ist. Der Energiearmut der Ration sind näm­lich durch die Ansprüche an art­ge­rech­te und bedarfs­ge­rech­te Fütterung Grenzen gesetzt.

Beispiel: IST- und SOLL-Wert eines dicken Pferdes

Gemeinsam wol­len wir uns ein Beispiel anse­hen, um zu schau­en, wie die Ration für ein über­ge­wich­ti­ges Pferd gestal­tet wer­den muss, damit es abneh­men kann. Als Beispiel dient uns ein ganz nor­ma­les Warmblutpferd mit die­sen Eigenschaften.
 

Unser Beispielpferd:

  • Freiberger Stute im Erhaltungsbedarf
  • 13 Jahre alt
  • ohne Arbeitsleistung
  • schwe­rer Rassetyp
  • 8 h Paddockgang am Tag
  • nor­ma­les Temperament
  • durch­schnitt­li­che Bemuskelung
  • Gewicht aktu­ell 500 kg
  • Appetitgrenze 11 kg Heu

Hier liegt die Schwierigkeit dar­in dass das Pferd NICHT arbei­tet, also kei­nen zusätz­li­chen Energiebedarf hat.

Ist das Pferd nor­mal­ge­wich­tig, benö­tigt es 47,37 MJ  umsetz­ba­re Energie am Tag.

Ist es über­ge­wich­tig, redu­ziert sich die­ser Wert auf 43,77 MJ– also ca. 10%-Punkte weni­ger an Energie.

Dies ent­spricht dem Erhaltungsbedarf eines nor­mal­ge­wich­ti­gen Pferdes von 450 kg Gewicht. Das wäre das ange­nom­me­ne Sollgewicht des Pferdes, es muss also unge­fähr 50 kg abneh­men. Hört sich viel an, ist aber ver­gleich­bar mit einem Menschen, der von 60 auf 54 kg abneh­men möch­te – das geht, aber dau­ert Monate, wenn es denn ohne Radikaldiät lau­fen soll!

Noch stär­ker sinkt der Energiebedarf bei sehr über­wich­ti­gen Pferden – hier wird ein Abzug von ca. 20%-Punkten vor­ge­nom­men. Bei unse­rem Beispielpferd also 40,7 MJ ME, was dem Erhaltungsbedarf eines nor­mal­ge­wich­ti­gen Pferdes von 400 kg entspricht.

Erst wenn sich also der IST-Wert an Energie in der Ration deut­lich in Richtung des SOLL-Wertes bewegt, wird das Pferd lang­fris­tig abnehmen.

In der Praxis: Die optimale Ration um abzunehmen

Nun zur Praxis: Ein über­ge­wich­ti­ges Pferd im Erhaltungsbedarf benö­tigt nur Raufutter und Mineralfutter, even­tu­ell noch einen Eiweißergänzer. Auf alle wei­te­ren zucker- und stär­ke­hal­ti­gen Futtermittel soll­te kon­se­quent ver­zich­tet wer­den. Also, kein Kraftfutter, kein Getreide, kei­ne Möhre, kei­ne Leckerchen….und auch kei­nen Weidegang.

Denn das Heu allein führt schon dazu, dass der Soll-Wert an Energie nur schwer zu errei­chen ist. Warum das?

Durchschnittliches Heu der Ernte 2025 bringt bereits 6,14 MJ umsetz­ba­re Energie je kg in die Ration ein. Das Energie-Eiweiß-Verhältnis liegt etwas über 1:6. Grundsätzlich sind Pferde jedoch recht tole­rant, was ein Überangebot an Energie angeht – das 1,5 fache an Energie macht den meis­ten Pferden nichts aus. Nicht aber bei Pferden, die auf erhöh­te Energiezufuhr mit Zunahme reagiert haben und nun abneh­men müssen.

Auch beim Abnehmen müssen dicke Pferde satt werden

Um satt zu wer­den, benö­tigt ein Pferd eine aus­rei­chen­de Menge an Rohfaser. Diese wird von den Rezeptoren im Verdauungstrakt des Pferdes erfasst und löst das Sättigungsgefühl aus. Das nennt man auch Appetitgrenze. Auch die Anzahl an Kauschlägen spielt eine Rolle, ist aber der indi­vi­du­el­len Appetitgrenze untergeordnet.

Unser Beispielpferd hat eine Appetitgrenze von 11 kg Heu pro Tag. Es braucht also soviel Rohfaser, wie in 11 kg Heu drin sind, um satt zu wer­den. Und NEIN, es braucht nicht 11 kg Heu!

Da wird es schon schwie­rig mit der Diät, die der Pferdehalter dem dicken Pferd jedoch lei­der auf­zwin­gen muss. Eine Diät muss aber immer noch den Grundsätzen art­ge­rech­ter Fütterung ent­spre­chen. Und dazu gehört, dass das Pferd kein Hungergefühl wegen Unterschreitung der Appetitgrenze hat.

Angenommen, das über­ge­wich­ti­ge Pferd bekommt nun – ent­spre­chend sei­ner Appetitgrenze 11 kg Heu der Ernte 2025. Dann ist zwar der Rohfaserbedarf gedeckt, der Energiegehalt der Ration liegt mit 67,54 statt 43,77 MJ ME jedoch VIEL zu hoch. Außerdem ent­hält die Ration mehr als 1000 Gramm Zucker. Damit kann die Stute nicht abneh­men, son­dern wird wei­ter zuneh­men. Das Risiko von Erkrankungen steigt.

Senkt man nun die Heuration von 11 kg auf 6 kg, ist der Rohfaserbedarf nicht mehr gedeckt. Daraus resul­tiert Stress, aus Stress kann Verletzungsanfälligkeit erwach­sen. So man­ches Pferd hat sich wäh­rend des Abspeckens Beinverletzungen durch Treten vor die Boxenwand eingefangen…

Fügt man aber nun 2 kg Weizenstroh und 1 kg Knabberäste ohne Laub hin­zu, sind Energie- und Rohfasergehalt der Ration ide­al – also im grü­nen Bereich.

Theoretisch könn­te das Pferd damit abneh­men, ABER durch die Reduktion des Heus ist der Eiweißgehalt der Ration zu gering. Ohne aus­rei­chen­de Eiweißversorgung ist jede Diät zum Scheitern ver­ur­teilt. Also was tun?

Eiweiß ergän­zen – es feh­len unge­fähr 200 gr prae­cae­cal ver­dau­li­ches Eiweiß in der Ration.

Also: Heu noch­mals um 1 kg redu­zie­ren, dafür 0,5 kg Luzernecobs in die Ration hin­ein­neh­men. Die kön­nen ein­ge­weicht sehr gut mit den not­wen­di­gen 300 gr Sojaschrot und den 50 gr Mineralfutter ver­mischt werden.

Nun ist alles im grü­nen Bereich, die Ration ent­hält nur noch etwas mehr als 500 gr Zucker, ent­spricht somit der Empfehlung von nicht mehr als 100 gr Zucker je 100 kg Sollgewicht pro Tag.

So kann das Pferd gesund abnehmen.

Auch der Umstieg auf auf nähr­stoff­ar­mes, über­stän­di­ges Heu kann hel­fen, davon könn­te etwas mehr gefüt­tert wer­den. zwar 1 kg mehr Heu gefüt­tert wer­den. Ohne Zugabe von Stroh oder Knabberästen reicht aber auch das nicht zur Deckung des Rohfaserbedarfes.

Wie soll ein übergewichtiges Pferd also abnehmen?

  1. Heuration redu­zie­ren, 1/3 Stroh, 2/3 (mög­lichst zucker­ar­mes) Heu
  2. Knabberäste zufüt­tern. Diese sind gut gegen Langeweile und tra­gen eben­falls zum Rohfaseranteil bei.
  3. Bei Eiweißmangel (recht häu­fig): Eiweißhaltige Futtermittel hin­zu­fü­gen. Sehr gut als Cobs, dar­in kann vie­les ein­ge­weicht „ver­steckt“ wer­den inklu­si­ve Mineralfutter. Denn Kraftfutter bekommt ein über­ge­wich­ti­ges Pferd nicht.
  4. Mineralfutter pas­send zum Bedarf aussuchen

So bekommst du eine opti­ma­le Ration für dein Dickerchen.

Du bekommst kei­ne „Grüne“ Ration hin, egal, was du probierst?Das kann pas­sie­ren, wenn dein Pferd auf­grund von gesund­heit­li­chen Problemen nicht arbei­ten kann. 

Ich hel­fe dir ger­ne wei­ter. Buche ein­fach kurz­fris­tig einen Termin zur Beratung und gemein­sam erstel­len wir die opti­ma­le Ration für dein Pferd.

Genug Bewegung um gesund abzunehmen

Der Königsweg zum Abnehmen, wenn das Pferd kei­ne so gro­ßen gesund­heit­li­chen Probleme hat (Trageerschöpfung, Rehe…), dass es gar nicht arbei­ten kann.

Mehr Bewegung, mehr Arbeit! Wenn das Pferd nun ca. 45 min pro Tag in allen drei Gangarten arbei­tet oder 80 min Schritt geht, benö­tigt es aus die­ser gering­fü­gi­gen Arbeit ca. 10 MJ ME mehr, ins­ge­samt also 52,53 MJ. Das ent­spricht also ca. 1,5 kg Heu mehr pro Tag. Rohfaser-, Energie- und Eiweißbedarf sind opti­mal gedeckt. Alle wei­te­ren Nährstoffe sind eben­falls im grü­nen Bereich – und damit wird das Pferd gesund abnehmen.

Der Einsatz von Mineralfutter bei der Diät

Nun muss aber auch noch das Mineralfutter ins Pferd – gar nicht so ein­fach, wenn man auf wei­te­re Futtermittel ver­zich­ten soll. Viele Pferde fres­sen das Mineralfutter näm­lich nicht pur. Sind dann auch noch Medikamente dabei, kommt es oft zur Totalverweigerung. Dann hat man die Ration zwar ener­ge­tisch so auf­ge­stellt und die Arbeit so ange­passt, dass das Pferd abnimmt, eine Unterversorgung mit Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen darf jedoch nicht sein.

Hier ist „Schummeln“ erlaubt: mit 100 gr Heucobs oder Luzernecobs (Trockengewicht) ein­ge­weicht kann man alles unter­mi­schen, ohne dass die Ration kippt – schließ­lich wer­den nur 0,6 MJ Energie zusätz­lich ein­ge­bracht. Weitere Bestandteile wie Apfelsaft, Malzbier, Rübenkraut, Honig, und was man sonst noch alles so an Tipps bekommt, wie die Akzeptanz zu erhö­hen ist, sind auf­grund des Zuckergehaltes nicht geeig­net. Ich habe bei einem mei­ner Pferdes alles oben Genannte pro­biert – kei­ne Chance! Erst eine klei­ne Menge Spekulatiusgewürz führ­te zum Erfolg, und das auch noch ohne zusätz­li­chen Zucker😊

Außerdem ist es für die Pferdepsyche wich­tig, dass es etwas in den Trog gibt, wenn die Stallkollegen auch Krippenfutter erhal­ten. Ist der Diätkandidat mit sei­ner klei­nen Portion zu schnell fer­tig, kann man gro­ße run­de Kieselsteine in den Trog legen. Bis dann alles her­aus geleckt ist, sind die ande­ren wahr­schein­lich auch fer­tig, und es herrscht Ruhe im Stall.

rationsanalyse
Klick ver­grö­ßert Bild

Rationsgestaltung bei dicken Pferden im Offenstall mit 24/7 Heufütterung

Pferde, die Heu ad libi­tum bekom­men, fres­sen bis zur Appetitgrenze. Diese ist jedoch bei Pferden, die bereits lang­fris­tig Übergewicht ange­sam­melt haben, häu­fig gestört. Diese Pferde fres­sen dann noch deut­lich mehr – sind den gan­zen Tag von der Raufe nicht weg zu bekom­men. Wenn also die Rationierung des Heus tech­nisch nicht mach­bar ist, dann muss das Pferd eben so viel arbei­ten, dass die gro­ßen Heumengen nicht zu Übergewicht füh­ren. Frisst der obi­ge Kandidat also 18 kg Heu am Tag, ein­fach, weil er’s kann, dann muss er knapp zwei Stunden pro Tag arbei­ten, davon 1 Stunde Schritt und wei­te­re 50 min in allen drei Gangarten. 

Achtung! Die Bewegung im Offenstall zählt nicht; denn die ist in den Erhaltungsbedarf bereits eingerechnet.

Wenn das nicht mög­lich ist, dann sei so kon­se­quent und gestat­te dei­nem Pferd kei­ne 24 h Heu ad libi­tum mehr….

Gesund abnehmen, anstatt einer Radikaldiät

Denn bei aller Liebe zur art­ge­rech­ten Pferdehaltung kann aber nicht nur Heu ad libi­tum als art­ge­recht gel­ten, ohne Rücksicht dar­auf, ob jedes Pferd das auch ver­trägt. Einem Pferd mas­si­ves Übergewicht anzu­füt­tern ist nicht nur nicht art­ge­recht, ab einer gewis­sen Grenze ist es tier­schutz­re­le­vant. Von kost­spie­li­gen Folgeerkrankungen, unter denen das Pferd dann lei­det mal ganz abgesehen…

Jedoch Warnung vor Radikaldiäten! Es emp­fiehlt sich nicht, die Ration ener­ge­tisch UNTER den von  OPTI-RATION® berech­ne­ten Soll-Wert zu redu­zie­ren. Das Pferd ist nicht von heu­te auf mor­gen dick gewor­den, und wird also auch nicht von heu­te auf mor­gen wie­der dünn. Wer ein sehr über­ge­wich­ti­ges Pferd hat, soll­te die Ration ohne­hin mit dem Tierarzt besprechen.

Der Wert, den OPTI-RATION® als SOLL-Wert für ein über­ge­wich­ti­ges Pferd angibt, berück­sich­tigt bereits die Abzüge an Energie. Hier soll­te die Ration in den grü­nen Bereich gebracht wer­den. Eine Unterversorgung von Energie wäre fatal, schließ­lich soll das Pferd auf Diät, nicht verhungern…

Energie zu niedrig

Kann man sonst noch etwas tun? Ja. Der Abbau von Fettreserven bzw. der Umbau von Fett in Muskelmasse bedeu­tet Schwerstarbeit für den Stoffwechsel. Leber und Niere kön­nen durch­aus Unterstützung gebrau­chen. Und zwar aus­drück­lich nicht im Sinne einer „Entgiftung“ son­dern im Sinne einer Stoffwechselanregung. Hier gibt es diver­se Präparate am Markt – aber bit­te dar­auf ach­ten, dass dadurch nicht „auf Umwegen“ wie­der uner­wünsch­te Energie in die Ration gelangt.

8 Tipps für die Fütterung bei Übergewicht:

  • Ernährungszustand des Pferdes bei der Beschreibung in OPTI-RATION® ehr­lich angeben
  • Pferd wie­gen las­sen oder ver­mes­sen und Gewicht mit unse­rem kos­ten­lo­sen Tool berech­nen lassen
  • Nur Raufutter und Mineralfutter, evtl. Eiweißergänzer – mehr gehört nicht in eine Ration
  • kei­ne wei­te­ren zucker- und stär­ke­hal­ti­gen Futtermittel
  • Wenn mög­lich auf nähr­stoff­ar­mes Heu ausweichen
  • Mehr Bewegung! Mehr Arbeit! Ein nicht arbei­ten­des Pferd kann nur sehr schwer abnehmen
  • Knabberäste anbie­ten
  • aus­rei­chen­de Versorgung mit Mineralfutter sicherstellen
  • Stoffwechsel unter­stüt­zen

Rationsermittlung für jedes Pferd

Jedes Pferd ist anders. OPTI-RATION® schließt in sei­ne Berechnungen des­halb unter­schied­li­che Umstände ein, die auf die Nährstoffzufuhr Einfluss haben.

Dazu zäh­len z. B. die Angaben zum Ernährungszustand oder Gesundheitszustand des Pferdes. In unse­rer Rationsberechnung wird das berück­sich­tigt. So kön­nen auch Pferde mit beson­de­ren Ansprüchen mit der opti­ma­len Ration ver­sorgt werden.

>> Errechne jetzt den indi­vi­du­el­len Bedarf für dein über­ge­wich­ti­ges Pferd

Teile den Beitrag:

Weiteres Wissen über Pferdeernährung

PDF

Opti-Ration erstellt dir ein PDF mit dem Steckbrief dei­nes Pferdes, den Werten der Ration und den ein­ge­setz­ten Futtermitteln

Weiterlesen »