Sojaschrot und Sojaflocken in der Pferdefütterung:
hochwertiges Eiweiß aus der kleinen Bohne
Soja ist in der Pferdefütterung vor allem als konzentrierte Quelle für hochwertiges Eiweiß bekannt. Besonders geschätzt wird das günstige Aminosäureprofil. Dennoch benötigt nicht jedes Pferd zusätzliches Soja – und Sojaschrot, Sojaflocken und Sojakuchen sind keineswegs dasselbe.
Herkunft und Anbau
Die Sojabohne (Glycine max) gehört zu den Hülsenfrüchten und stammt ursprünglich aus den subtropischen Regionen Chinas. Heute liegen die wichtigsten Anbaugebiete in Brasilien, den USA und Argentinien. Daneben wird zunehmend Soja in Europa angebaut, beispielsweise in Italien, Frankreich, Österreich, der Ukraine und im Donauraum.
Auch in Deutschland wächst die Anbaufläche, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland rund 130.800 Tonnen Sojabohnen geerntet. Im Verhältnis zum deutschen Verbrauch ist das jedoch wenig: Die deutsche Ernte des Jahres 2024 deckte nur etwa 3,1 Prozent des damaligen Bedarfs. Deutschland bleibt deshalb deutlich von Importen abhängig. Allein aus den USA wurden 2025 rund 2,2 Millionen Tonnen Sojabohnen eingeführt. Bundesinformationszentrum Landwirtschaft, BMEL-Statistik
Woher stammt das in Deutschland verkaufte Sojafutter?
Sojafutter, das in Deutschland angeboten wird, kann unterschiedliche Wege genommen haben:
-
Anbau und Verarbeitung in Deutschland,
-
Anbau in einem anderen europäischen Land,
-
Import ganzer Bohnen, die anschließend in Deutschland oder einem anderen EU-Land verarbeitet werden,
-
direkter Import von Sojaextraktionsschrot oder Sojakuchen.
Konventionelles Soja stammt häufig aus den USA, Brasilien oder Argentinien. Sojaextraktionsschrot kann außerdem über europäische Handels- und Verarbeitungsstandorte, etwa in den Niederlanden, nach Deutschland gelangen. Der Sitz des Herstellers oder Abfüllers sagt daher nicht automatisch etwas über das Anbauland aus.
Wer Wert auf kurze Transportwege, nachvollziehbare Herkunft oder gentechnikfreien Anbau legt, sollte auf Angaben wie „Soja aus Deutschland“, „europäisches Soja“, „Donau Soja“, „Europe Soya“, „Bio“ oder auf einen konkreten Herkunftsnachweis achten. Fehlt eine entsprechende Angabe, sollte die Herkunft beim Anbieter erfragt werden.
Warum muss Soja verarbeitet werden?
Rohe Sojabohnen sind für Pferde nicht geeignet. Sie enthalten unter anderem Trypsininhibitoren und Lektine. Trypsininhibitoren behindern die Eiweißverdauung im Dünndarm. Durch eine kontrollierte Wärmebehandlung werden diese antinutritiven Stoffe weitgehend inaktiviert.
Das Erhitzen muss ausreichend, darf aber auch nicht übermäßig sein: Eine zu geringe Behandlung lässt unerwünschte Stoffe aktiv, während eine zu starke Erhitzung die Verfügbarkeit einzelner Aminosäuren – insbesondere von Lysin – vermindern kann. Für Pferde sollten deshalb ausschließlich fachgerecht hergestellte und als Futtermittel angebotene Sojaprodukte verwendet werden. Das gilt besonders für Sojakuchen aus kleinen oder sogenannten kalt arbeitenden Ölmühlen.
Sojaschrot, Sojaflocken und Sojakuchen: Was ist der Unterschied?
Sojaextraktionsschrot
Sojaextraktionsschrot entsteht als Nebenprodukt der Sojaölgewinnung. Die Bohnen werden zerkleinert, erwärmt und gepresst. Das verbleibende Öl wird überwiegend mithilfe eines Lösungsmittels extrahiert. Anschließend wird das Lösungsmittel durch Wasserdampf und Hitze entfernt und das Schrot getoastet.
Sojaextraktionsschrot enthält nur noch etwa ein bis zwei Prozent Rohfett, dafür aber besonders viel Rohprotein. Handelsüblich sind vor allem:
-
Sojaextraktionsschrot „44“ mit ungefähr 42 bis 44 Prozent Rohprotein,
-
HP-Sojaextraktionsschrot aus weitgehend geschälten Bohnen mit ungefähr 46 bis 48 Prozent Rohprotein.
Die Bezeichnung „Schrot“ bedeutet in diesem Zusammenhang somit nicht einfach „gemahlene Sojabohne“, sondern bezeichnet meist den weitgehend entfetteten Rückstand der Ölgewinnung.
Sojakuchen oder Sojapresskuchen
Sojakuchen entsteht durch mechanisches Pressen der Sojabohnen. Da dabei weniger Öl entfernt wird als bei der Extraktion, enthält Sojakuchen meistens etwa sechs bis zwölf Prozent Rohfett. Der Rohproteingehalt liegt typischerweise bei ungefähr 38 bis 42 Prozent.
Sojakuchen liefert daher nicht nur Eiweiß, sondern auch mehr Energie als Sojaextraktionsschrot. Die Analysewerte können je nach Ölmühle und Pressverfahren erheblich schwanken. Entscheidend ist außerdem, ob eine ausreichende Wärmebehandlung stattgefunden hat. Deshalb findest du in der Datenbank von Opti-Ration keinen Sojakuchen: Bei der Kaltpressung ist eine ausreichende Wärmebehandlung nicht gewährleistet, somit sind die antinutritiven Stoffe für das Pferd häufig nicht ausreichend entfernt.
Sojaflocken
Sojaflocken werden meistens aus ganzen, gereinigten Sojabohnen hergestellt. Die Bohnen werden erhitzt beziehungsweise hydrothermisch behandelt, teilweise extrudiert und anschließend gewalzt. Da das Öl in der Regel in der Bohne bleibt, enthalten Vollfett-Sojaflocken etwa 17 bis 21 Prozent Rohfett und ungefähr 34 bis 38 Prozent Rohprotein.
„Flocke“ beschreibt jedoch zunächst nur die äußere Form. Es gibt auch stärker entfettete Produkte. Deshalb sollten immer die genaue Futtermittelbezeichnung und die deklarierten Analysewerte geprüft werden.
Typische Analysewerte
Die folgenden Angaben sind durchschnittliche Orientierungswerte je Kilogramm Futtermittel in der Frischsubstanz. Sorte, Schalenanteil und Verarbeitung können die Werte verändern.

Sojaextraktionsschrot mit 44 Prozent Rohprotein enthält beispielsweise rund 27 bis 30 Gramm Lysin, etwa sechs Gramm Methionin, ungefähr 17 bis 19 Gramm Threonin und fünf bis sechs Gramm Tryptophan je Kilogramm. Die Tabellenwerte ersetzen jedoch nicht die Deklaration oder Analyse des tatsächlich verwendeten Produktes. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, FeedipediaDas AminosäureprofilNicht allein die Menge des Rohproteins entscheidet über den Futterwert. Wichtig ist, welche essenziellen Aminosäuren enthalten sind und wie gut diese im Dünndarm verdaut werden können. Hier einmal eine Tabelle zum VergleichSojaprotein enthält besonders viel:
-
Lysin,
-
Leucin,
-
Isoleucin,
-
Threonin,
-
Tryptophan,
-
Valin und Arginin.
Lysin gilt in vielen Pferderationen als zuerst limitierende Aminosäure. Fehlt Lysin, kann das Pferd andere Aminosäuren trotz ausreichender Rohproteinaufnahme nicht optimal für Muskel-, Gewebe- und Körperprotein nutzen. Soja ergänzt deshalb das eher lysinarme Eiweiß aus Getreide besonders gut. Im Verhältnis zum hohen Lysingehalt liefert Soja allerdings weniger schwefelhaltige Aminosäuren wie Methionin und Cystin. Eine Sojaergänzung garantiert daher noch keine rundum ausgewogene Aminosäureversorgung.Eine Untersuchung der Universität Leipzig bestätigte, dass Sojaextraktionsschrot beim Pferd zu einem deutlichen Anstieg des Lysins im Blut führte. Das spricht für eine gute Verfügbarkeit des enthaltenen Lysins. Bockisch et al., 2023
Für welche Pferde eignet sich Soja?
Soja kann sinnvoll sein, wenn die Grundration zu wenig dünndarmverdauliches Eiweiß also zu wenig essenzielle Aminosäuren liefert. Das betrifft insbesondere:
-
wachsende Pferde und Jungpferde,
-
tragende und laktierende Stuten,
-
Pferde im intensiven Training,
-
Pferde mit erhöhtem Muskelaufbau- oder Regenerationsbedarf,
-
alte Pferde mit Muskelabbau,
-
Pferde, die nur spät geschnittenes, eiweißarmes Heu erhalten,
-
Rationen, bei denen mit einer kleinen Futtermenge gezielt Lysin ergänzt werden soll.
Für ein gesundes Freizeitpferd mit qualitativ gutem und bedarfsdeckendem Raufutter ist zusätzliches Soja häufig nicht erforderlich. „Viel Eiweiß“ bedeutet außerdem nicht automatisch „viel Muskulatur“. Ohne ausreichendes Training, Energie und eine insgesamt ausgewogene Versorgung kann auch Soja keinen Muskelaufbau bewirken.Ein unnötiger Eiweißüberschuss muss vom Körper abgebaut und über den Harn ausgeschieden werden. Das erhöht unter anderem die Harnmenge sowie die Ammoniakbelastung im Stall.
Die Sojamenge sollte deshalb nicht nach Gefühl, sondern anhand der gesamten Ration festgelegt werden.
Wie viel Soja darf ein Pferd bekommen?
Eine wissenschaftlich definierte, für alle Pferde und Sojaprodukte geltende Höchstmenge existiert nicht. Entscheidend sind der Eiweiß- und Aminosäurebedarf, die Heuqualität, das Sollgewicht, das Alter, die Leistung und die verwendete Sojaform.Als praxisorientierte Obergrenze empfiehlt Opti‑Ration maximal 500 Gramm eines fachgerecht erhitzten Soja-Einzelfuttermittels je 100 Kilogramm Sollgewicht und Tag. Ein Pferd mit 500 Kilogramm Sollgewicht sollte damit nicht mehr als 2500 Gramm pro Tag erhalten. Bei Vollfett-Sojaflocken oder ölreichem Sojakuchen kann wegen des höheren Fett- und Energiegehalts bereits eine deutlich niedrigere Menge angemessen sein.Diese Obergrenze ist keine empfohlene Standardration. In der Praxis reichen häufig etwa 50 bis 100 Gramm Soja je 100 Kilogramm Sollgewicht und Tag aus. Für ein 500-Kilogramm-Pferd entspricht das ungefähr 250 bis 500 Gramm täglich. Mengen oberhalb dieses Bereichs sollten nur nach Berechnung der vollständigen Ration eingesetzt werden. Dabei muss auch das Soja berücksichtigt werden, das bereits in Müsli, Pellets, Mash oder Ergänzungsfuttermitteln enthalten ist.
Neue Futtermittel sollten grundsätzlich langsam über etwa zehn bis vierzehn Tage angefüttert werden.
Unverträglichkeiten und Allergien
Eine echte Sojaallergie ist beim Pferd möglich, scheint aber insgesamt selten zu sein. Hautreaktionen, Juckreiz, Quaddeln, weicher Kot, Blähungen oder wiederkehrende Verdauungsprobleme können viele verschiedene Ursachen haben und beweisen keine Sojaallergie.
Bei einem begründeten Verdacht ist eine konsequente Ausschlussfütterung mit anschließender kontrollierter Wiedereinführung unter tierärztlicher Begleitung aussagekräftiger als ein einzelner Blut-, Haar- oder Bioresonanztest. Ein wissenschaftlicher Vergleich zeigte, dass ein kommerzieller IgE-Test zur Erkennung von Futtermittelallergien bei gesunden Equiden nicht zuverlässig war. Dupont et al., Equine Veterinary Journal
Auch ohne Allergie können sehr große Mengen oder ein zu schneller Futterwechsel zu weichem Kot, vermehrter Gasbildung oder schlechter Futteraufnahme führen. Ursache können unter anderem schwer verdauliche Soja-Oligosaccharide sein. Rohes oder unzureichend erhitztes Soja ist dagegen keine „Unverträglichkeit“, sondern grundsätzlich ein ungeeignet verarbeitetes Futtermittel.
Gentechnisch verändertes Soja
Ein großer Anteil des in Nord- und Südamerika angebauten Sojas stammt aus gentechnisch veränderten Sorten. In Deutschland ist der Anbau gentechnisch veränderter Sojapflanzen nicht erlaubt. Zugelassene gentechnisch veränderte Sorten dürfen jedoch als Sojabohnen oder Futtermittel in die EU importiert werden.Futtermittel, die aus gentechnisch verändertem Soja bestehen oder daraus hergestellt wurden, müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Zufällige oder technisch unvermeidbare Anteile zugelassener GVO bis 0,9 Prozent können ohne Kennzeichnung bleiben. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Für die praktische Pferdefütterung ist wichtig: Die gentechnische Herkunft sagt zunächst nichts darüber aus, ob ein Sojaprodukt richtig erhitzt wurde oder wie viel Eiweiß und Lysin es enthält. Für zugelassene GVO-Sojasorten gibt es keine belastbaren Belege, dass sie von Pferden grundsätzlich schlechter vertragen werden als konventionelle Sorten. Die Entscheidung für gentechnikfreies Soja betrifft daher vor allem persönliche Anforderungen an Herkunft, Produktionsweise, Rückverfolgbarkeit und Umweltwirkung.
Wer GVO-Soja vermeiden möchte, sollte gezielt ein entsprechend dokumentiertes Produkt aus deutschem oder europäischem Anbau, Bio-Soja oder zertifiziertes gentechnikfreies Soja wählen.
Fazit
Soja ist ein hochwertiges, konzentriertes Eiweißfuttermittel mit einem besonders günstigen Lysingehalt. Es kann Rationen von Jungpferden, Zuchtstuten, Senioren oder Pferden mit erhöhtem Eiweißbedarf sinnvoll ergänzen. Entscheidend sind jedoch die richtige Verarbeitung, die konkrete Darreichungsform und die Berechnung der gesamten Ration.
Sojaextraktionsschrot liefert am meisten Eiweiß und nur wenig Fett. Sojakuchen enthält mehr Restöl, während Vollfett-Sojaflocken gleichzeitig Eiweiß und viel Energie bereitstellen. Pauschale Mengenempfehlungen ohne Kenntnis des Grundfutters können deshalb schnell zu einer Überversorgung führen.
Mit Opti‑Ration kannst du prüfen, ob dein Pferd zusätzliches Eiweiß benötigt und welche Sojamenge tatsächlich zur übrigen Ration passt. Denn auch bei einem hochwertigen Futtermittel gilt: Nicht möglichst viel, sondern genau die richtige Menge ist optimal.
Achte beim Einkauf von Soja unbedingt auf die Herstellerangaben: Ist das Produkt ausdrücklich auch für Pferde geeignet? Wenn dort nur Rinder, Schweine oder Geflügel steht,. kann es sich um Sojakuchen handeln, der nicht ausreichend genug wärmebehandelt ist, um das Produkt „pferdegeeignet“ zu machen.
In der Datenbank der Online-Rationsberechnung Opti‑Ration® findest du Durchschnittswerte für Sojaextraktionsschrot und Vollfett-Sojaflocken.
Zu finden sind die Sojaprodukte in der Datenbank unter „Einzelfuttermittel“, in der Rationsberechnung unter „Sonstige Futtermittel“.


